#WagEs Du zu sein

Im Laufe der letzten Zeit habe ich gemerkt wie hilfreich es für mich ist, mir mit bedingungsloser Ehrlichkeit zu begegnen.

Mit bedingungsloser Ehrlichkeit meine ich, die knallharten Fakten einer Situation anzuerkennen, die mich in irgendeiner Weise emotional aufwühlt — und deren unvoreingenommene Bestandsaufnahme.

Was fühle ich? Welche unerfüllten Bedürfnisse habe ich genau jetzt? Welche Konsequenzen entstehen, wenn ich diese Gefühle in Handlungen verwandle? Ist da eine Logik drin? Oder würde dadurch eine Wirklichkeit entstehen, die ich untragbar fände?

Ich sage dazu gerne die „Gefühle zu Ende denken“. Mit Mut möchte ich unangenehmen Gefühlen und Ängsten eine Daseinsberechtigung geben. Ich wende mich ihnen zu. Wie zu einem kleinem Kind, welches ich tröste und aufmerksam den Geschichten lausche, die es mir zu erzählen hat.

Indem ich meine Aufmerksamkeit vom Außen abziehe und die Wahrnehmung auf mein Inneres richte, verlasse ich das Schuldsystem der Opfer und Täter. Ich gehe davon aus, dass wir alle unser Bestes in diese Welt geben. Der Motor ist das Bedürfnis nach Akzeptanz und bedingungsloser Liebe. Wir machen es so gut wie wir es können und es bis jetzt gelernt haben. Beschuldige ich zum Beispiel eine Person und mache ihr Vorwürfe, wird sie in den seltensten Fällen verständlich und freundlich reagieren. Sie wird zum Gegenangriff schreiten. Schuld erzeugt Schuld.

Es macht also keinen Sinn, im Außen nach einer Lösung zu suchen. Denn ich bin diejenige, die das Problem hat. Eine andere Person kann genau die gleiche Situation mit einem Gefühl von Belanglosigkeit erleben.

So richtig klar wurde mir diese Sichtweise durch Michael Brown in seinem Buch Die Kraft gelebter Gegenwart. Er sagt: „Wann immer etwas geschieht, das uns emotional aufwühlt, ob es uns nun als Ereignis oder als das Verhalten einer anderen Person widerfährt, erfahren wir eine Spiegelung unserer Vergangenheit. … Bedauerlicherweise gibt es keine Ausnahme für diese Regel. Emotionaler Aufreger = Erinnerung.“

Es ist also mein Thema, auf welches ich schauen sollte, um eine Veränderung hervor zu rufen. Jeder emotionale Aufreger ist ein Ruf nach Aufmerksamkeit eines unverarbeiteten Themas. Meines Themas. Ausnahmslos.

Die Entscheidung genau Hinzuschauen liegt einzig und allein bei mir. Ergreife ich die Chance, lichten sich die Nebelschwaden um meine bisher nicht bewusst wahrgenommenen Bedürfnisse. Mit bedingungsloser Ehrlichkeit nehme ich mich im Ganzen wahr, mit allem was dazu gehört. Ich werde sichtbar. Für mich. Für andere.

Vorhandene Konflikte mit Menschen, die andere Bedürfnisse haben als ich, können jetzt in Lösungen verwandelt werden. Dem Stillstand folgt die Kraft der Veränderung. Gehe ich mit dieser Grundhaltung durchs Leben, beginne ich meine gewohnten Verhaltensmuster zu verändern.

Das mir alt bekannte Muster ist wie eine Autobahn. Ich komme schnell vorwärts, das Ziel ist fett und groß ausgeschildert und weil ich schon so oft auf ihr wie blind gefahren bin, gibt es meist keine großen Überraschungen.

Verlasse ich meine üblichen Muster, erschaffe ich aus eigener Willenskraft neue Trampelpfade in einem mir unbekannten Gebiet. Ein neuer Weg entsteht. Er kann gelegentlich etwas holprig werden. Oder mich zwischendurch auch mal verwirrt stehen lassen. Dort gibt es keine Sicherheiten. Keine Wegweiser. Nur ich selbst bin mein Wegweiser. Jeder Schritt benötigt eine bewusste Entscheidung in welche Richtung es geht. Ein Spüren, was sich hier und jetzt, in diesem Moment, richtig anfühlt.

Ein Spüren des Lebens – des bedingungslosen Lebendigseins.

Zu diesem Text wurde ich durch die Blogparade zum Thema #WagEs von FIELFALT inspiriert.

2 responses

  1. Das sind wichtige Gedanken, finde ich. Die Lösung für Probleme nicht im Außen zu suchen, sondern seinen eigenen Weg zu finden scheint mir der Schlüssel zu sein, um jedes Problem früher oder später in den Griff zu kriegen. Letztlich heißt das, wirklich die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Schreibe einen Kommentar